Briefkasten 2
Briefe an Hans-Joachim Heyer

30.10.2000: Sehr geehrter Herr Heyer,

Sie schreiben unter dem Titel Ihrer Einführungsseite folgendes:

 „Leben = Bewußtsein. Bewußter leben = mehr leben. Volles Bewußtsein = ewiges Leben. Es geht mir darum, daß ich Sie auf den ersten Schritten dieses Weges zur vollen Bewußtheit begleite. Ich habe die Kraft und Fähigkeit, Menschen in die Geheimnisse ihres Seins (= Bewußtseins) einzuweihen und an Körper und Geist zu heilen. Die Bedingungen, unter denen ich dies mache, stehen in meiner Verantwortung. Dies berechtigt mich, auch meinen Lebensunterhalt aus dieser Kraft zu bestreiten. ...“

Soll das heißen, Sie kennen den Weg zum ewigen Leben und sind bereit, Ihren zahlenden Schülern gegen Geld diesen Weg zu zeigen? Wenn ja, dann sind Sie der größenwahnsinnigste Scharlatan, der mir je begegnet ist. Das gehört verboten. Zu Ihrer Unverfrorenheit kommt hinzu, daß Sie auch noch Geld dafür wollen! Da kann ich nur lachen! Wenn Sie dermaßen erleuchtet wären, bräuchten Sie kein Geld zu nehmen. Das ist ein zweiter Beweis, daß Sie ein Scharlatan sind.

Antwort: „Sehr geehrter Herr K.,

Sie nennen mich größenwahnsinnig und stellen sich noch weit über mich! Sie müssen ja ein geradezu gigantisches Ego besitzen! Aber Spaß beiseite: Wie es aussieht, kennen Sie die Wahrheit bereits. Sonst wüßten Sie nicht, daß ich ein Scharlatan bin, daß ich größenwahnsinnig bin, außerdem unverfroren, lächerlich und nicht erleuchtet. Außerdem wissen Sie, was ein Erleuchteter ist und was er kann und nicht kann. Okay: Für Ihre Welt mag Ihr Urteil richtig sein. Darf ich einmal raten, in welcher Welt Sie leben? Sie leben in einer objektiv gegebenen Welt, die dermaßen übermächtig ist, daß man nicht anders kann, als sich klein und unbedeutend zu fühlen. Wer Größe zeigt, lügt oder irrt demzufolge. Wir sind ein Nichts im unendlichen Universum. Und nicht nur das: Wir sind vergänglich. Wir sind keine ewigen Seelen, sondern sterbliche Körper, und wir haben keine Chance, zu überleben. So zeigt es uns der Alltag, und so hat es die Wissenschaft erforscht, und daran glauben Sie felsenfest – so fest, daß jeder, der dem widerspricht, ein Lügner oder Verrückter sein muß.

Das wäre schizophren: Einerseits machen Sie sich riesengroß; andererseits glauben Sie an Ihrer - und aller anderer Menschen - Kleinheit! Ja was denn nun? Falls Sie jedoch - wie ich - NICHT an eine objektiv gegebene Welt glauben: mit welchem Recht kritisieren Sie mich dann? Sie sehen, sie sitzen immer am kürzeren Hebel!

Lieber Herr K.! Wenn Sie die Wissenschaft wirklich kennen würden, würden Sie nicht so sehr an sie glauben! Warum haben Sie meine wissenschaftskritischen Artikel nicht gelesen? Ich versichere Ihnen, die Welt ist völlig anders, als Sie glauben? Wieviele Jahre haben Sie über Ihre Weltsicht kritisch und selbstkritisch nachgedacht?

Außerdem erlaube ich mir die Frage, woher Sie wissen, was ein Erleuchteter braucht oder nicht braucht, wenn es in Ihrer Welt gar keinen gibt.

Schade, daß Sie meine Antworten nie zu Gesicht bekommen werden, da Sie mir versprochen haben, nie mehr meine Homepage zu öffnen. Eine persönliche Email bekommen Sie nämlich von mir NICHT, da ich nicht glaube, daß Sie von mir einen Rat haben wollen. Das muß ich respektieren. Allerdings erlaubte ich mir, Ihre E-Mail in meinem Briefkasten öffentlich in unterschiedlichen Versionen zu beantworten, da Ihre Mail mit „für den Briefkasten“ gekennzeichnet war.


5.11.2000: ... Zufällig schaute ich an Ihrer Homepage vorbei und fand schon wieder eine neue Seite vor! Ich dachte schon, seit Einstellung Ihrer „Werkstatt“ würde ich nicht mehr viel Neues finden, aber ich lasse mich gern überraschen. Was ich auf der neuen Seite „Berechtigung“ fand, war dann allerdings höchst überraschend! Noch Ihren schönen Satz (ich glaube aus der Magieseite und Ihrem Gedicht „Gesetz der Macht“) in Erinnerung: „Wer die Macht hat, der soll ihr entsagen“ lese ich nun, daß Sie „die Macht, bzw. die Kraft haben“, Bewußtsein zu erwecken und Magie auszuüben (falls ich Sie richtig verstanden habe). Haben Sie also der Macht nicht entsagt? Haben Sie Ihre Seele verkauft? Ich würde mich über eine ehrliche Antwort sehr freuen!

Antwort: Ich habe über diese heikle Angelegenheit viel nachgedacht. Während meiner Meditation am frühen Morgen des 3. Novembers hatte ich zum zweiten mal dieses Erlebnis der Ichlosigkeit und Einswerdung mit dem Göttlichen. Das hört sich vielleicht komisch an, aber genauso erlebte „ich“ meine Situation. Mein Ich war weg; „Ich“ war quasi nebenan; "ich" könnte es jedoch, wenn ich wollte, jederzeit wieder einnehmen; es war eine ständig bestehende Möglichkeit, aber ich nahm sie nur gelegentlich wahr. Das Einssein mit dem Ganzen war wesentlicher. Ich war nicht nur eins mit Gott; ich war Gott. Ich wußte, ich habe die Macht, und ich habe die Möglichkeit, ihr der Vollkommenheit wegen zu entsagen. Aber ich erlebte auch die vielen anderen Seelen, die mir vertrauen und von mir Hilfe zum seelischen Wachstum erhoffen, angefangen mit meinem Hund „Susi“, der mich so sehr liebte und mir vollkommen vertraute. Ich sah, daß ich aus ihm eine reißende Bestie hätte machen können, aber ich verhalf seiner Seele zur Höherentwicklung. Dann erlebte ich die Situation vieler anderer Menschen, die mir vertrauen. Ich könnte der Macht entsagen und mich als Einsiedler in meine Höhle zurückziehen und jede Kommunikation einstellen! Ja, das wäre die Konsequenz der Entsagung der Kraft. Ich dachte jedoch, daß ich mich der Entscheidung „Macht ja oder nein“ enthalten wolle. Erstens wollte ich wissen, ob ich über diese Kraft wirklich verfüge oder sie mir nur einbilde (dann hätte ich mir die Entsagung auch nur eingebildet). Zweitens wollte ich – falls ich über die Kraft verfüge – sie so einsetzen, daß ich diejenigen, die mir vertrauen, nicht enttäusche (nach MEINEM Maßstab). Mir ist bewußt, daß diese Entscheidung eine Gefahr für mich birgt. Aber ich habe mich entschieden und muß die Konsequenzen verantworten.


E-Mail von B.K. am 7.1.2001: „Ich habe nun (außer den „Philosophischen Essays“) alles mit Begeisterung gelesen. Nur eine Sache erscheint mir unschlüssig, nämlich Ihr mehrfach eingestreuter Hinweis, daß die Lektüre Ihrer Texte NICHT ausreichen würde, um spirituellen Fortschritt, bzw. Wachstum des Bewußtseins oder der Seele, quasi in „Heimarbeit“ oder im „Selbststudium“ zu erlangen, sondern daß ein jeder Leser eine persönliche (und natürlich bezahlte) Einweihung von Ihnen brauche. Wie kommen Sie zu dieser Überzeugung? Desweiteren möchte ich gern wissen, ob Sie tatsächlich davon überzeugt sind, mit E-Mails diese persönliche Einweihung vornehmen zu können oder wäre hier nicht vielmehr auch ein persönlicher Kontakt nötig?

Antwort: Ich hatte vor einem Jahr diese Sache mit der persönlichen Einweihung auch noch nicht völlig durchschaut, bis mich eine Reihe von Erlebnissen auf den Punkt brachte. Ich kenne eine Reihe von Leuten mit mehr oder weniger gravierenden persönlichen Problemen. Als mir die Ursache dieser Probleme klar wurde, gab ich ihnen bestimmte Texte zu lesen, die ihnen helfen sollten, und ich erlebte Überraschendes: Von sechs Leuten waren nur zwei dazu zu bewegen, die ihnen empfohlenen Texte wirklich zu lesen. Und als wir diese diskutierten, fiel mir auf, daß sie alles kapiert hatten, nur die entscheidenden Passagen nicht, die ihnen als Hilfe gedacht waren! Oder sie waren nicht im Stande, diese Textpassagen auf sich zu beziehen. Bei den anderen vier Personen stellte sich die Problematik in noch schärferer Form dar: Sie WOLLTEN das Helfende partout nicht wissen, als ahnten sie (unbewußt?), daß sie durch den Schlammassel durchmüssen („Der braucht halt sein Elend!“ dachte ich zynisch).

Mit einem dieser Verweigerer hatte ich dann einen längeren E-Mail-Kontakt, und ich fand heraus, daß all sein Schreiben immer um den (unerkannten) Kern seines Problems kreiste, ohne daß er fähig war, diesen Kern auszusprechen. Ich fragte mich lange, was passieren würde, wenn ich ihm diesen „blinden Fleck“ direkt bewußt mache, da fiel mir ein, daß ich dies vor Jahren schon mehrfach bei anderen Bekannten getan hatte mit dem Erfolg, daß ich von diesen Leuten nie mehr etwas zu hören bekam; sie fühlten sich wahrscheinlich zutiefst getroffen und verletzt. Die Sache direkt aufs Tapet bringen, verbot sich mir also. Aber was tun? Nach einiger Zeit fiel mir ein, daß alle Energie zum Denken und Tun dieses Menschen diesem „blinden Flecken“ entströmt! Sein gesamtes Schicksal, all sein Tun – ob beruflich oder privat – war ein Hinterherrennen hinter einer großen unbefriedigten Sehnsucht. Würde ich ihm sein Problem lösen, würde ich ihm seine Lebensenergie rauben. Das konnte ich nicht verantworten. Meine Beschäftigung mit dem Thema brachte mich zu der Erkenntnis, daß ich die sog. „Probleme“ der Leute nicht länger als psychisches oder seelisches Problem auffassen dürfe, sondern als ein energetisches Steuerungs-Problem. Die Leute fühlen sich nicht unwohl wegen des blinden Fleckes, sondern weil sie ihre Energie, die diesem Fleck entströmte, nicht intelligent lenken können! Es galt, nicht mehr in die Vergangenheit zu blicken, sondern in die Zukunft! Ich vermittelte keine Einsicht mehr, die die blinden Flecken mit Licht erfüllen sollten, sondern vermittelte Einsichten, die die Energie in bewußtseinerweiternde Bahnen lenken sollten. Und nun hatte ich durchschlagenden Erfolg!

Ich kann diese Arbeit via E-Mail und natürlich (und besser) im persönlichen Kontakt verrichten. Wenn meine Schüler diese Bewußtseinsarbeit im Selbststudium verrichten könnten, hätten sie diese schon längst getan. Wer sich also dauerhaft unglücklich oder unzufrieden fühlt, hat bereits bewiesen, daß er sich nicht selber helfen kann und Hilfe von außen braucht.

Die Konsequenz, die ich aus meinen Erkenntnissen gezogen habe, ist die, daß ich all mein Wissen ausplaudern kann. Jeder möge sich heraussuchen, was er glaubt, zu brauchen und möge seine Seele selber heilen. Das ist gut so. Aber wer sich nicht selber helfen kann, dem nützt auch die ausgiebigste Lektüre nichts. Ich biete hier Hilfe an. Meine Verantwortung gebietet es mir jedoch, dies nur dann zu tun, wenn ich ausdrücklich dazu beauftragt worden bin und man mir voll vertraut. Dieses Vertrauen muß mir bewiesen werden, und zwar mittels einer Geldüberweisung. Früher, als ich noch als Vermessungsingenieur über ein reichliches finanzielles Einkommen verfügte, war ich in diesem Punkte nicht so streng, fand jedoch schnell heraus, daß, wer nichts bezahlt, mich nicht achtet, sich mir nicht öffnet: sich mir verweigert mit der Folge, daß meine ganze Arbeit nicht fruchtete!

Eine Frau, die ich kostenlos beriet, und die mir schon lange bestätigt hatte, daß unser Briefwechsel ihr sehr helfe, lernte eines Tages die Rosenkreuzer kennen und abonnierte bei denen für weit über DM 1000,- einen Lehrgang, der ihr vorschrieb, bestimmte „Meditationsübungen“ zu machen, die ich für völligen Nonsens hielt. Sie schrieb, sie müße diese Übungen machen, weil sie ja sonst das viele Geld sinnlos aus dem Fenster geworfen hätte. Da keimte in mir der Verdacht, daß Geld verpflichtet. In späteren Jahren bestätigte sich dieser Verdacht hundertfach und ich erkannte, daß ich nur dann die wirkliche Erlaubnis zum vertrauensvollen Eingriff habe, wenn das Geld auf meinem Konto eingegangen ist. Alle anderen Beteuerungen waren allzu oft leere Lippenbekenntnisse. 99 % aller Menschen lehnen kostenlose Ratschläge instinktiv ab, weil sie Gefangene des Geldsystems sind. Oder besser gesagt: Kostenlose Ratschläge dringen bei ihnen nicht durch, bewirken nichts, denn wäre ich aufgrund meiner kostenlosen Ratschläge selber ein "armer Schlucker", könnten die meisten Menschen, die finanzielle Probleme haben, mich nicht als Vorbild anerkennen. Es geht den meisten Menschen neben ihren spirituellen Sorgen (Sinnsuche...) immer auch um materielle Sicherheit. (nähere Begründung: siehe >Preisliste< oder >Berechtigung<).


19.3.2001: Hallo Joachim, ich habe deine Homepage "Wiederverzauberung 3" gelesen und sollte einige Anmerkungen machen oder Kritik üben, wenn das bei diesen Themen überhaupt möglich ist. Wie ist dieser Text nun zu verstehen? Ein wissenschaftliches Denkmodell, oder Metaphysik nach wissenschaftlichen Schema, oder sind das die Konstanten, (Essenzen) die sich in deinem Geist herauskristallisierten, um endlich festen Boden unter den Füßen zu haben?
Geht es um die Benennung von Werkzeugen, mit denen du dein Leben bearbeiten willst? Der Versuch, zu Grundsätzen zu finden, ist wie die Peitsche, die den Gaul (das Leben) animieren soll, schneller zu laufen. Grundsätze sollen das Leben steuernd in die Pflicht nehmen. Der suchende Geist tut dies in seinem reinen Selbstverständnis. Es könnte mehr darin zu sehen sein, über Philosophie zu den Werten zu finden und um dann aber auch zu leben. Philosphie ist das Mittel; der Zweck sei das Leben. Was ist, wenn Philosphie zum Mittel UND zum Zweck wird? Wenn das Leben zur Randerscheinung oder als notwendiges Übel angesehen wird? Das reine Leben hat eine unglaubliche Dynamik, wobei die Philosphie, auch wenn sie notwendig ist, um dieses zu erkennen, nur ein müder Abklatsch sein kann. Man könnte sagen, daß die Philosophie von sich behauptet, das Leben ständig neu erfinden zu müssen.
Die Philosphie erfüllt NUR ihren Selbstzweck. Die Philosphie entdeckt in ihrem eigenen Erkennen den Zweck. Das scheint der blinde Fleck der Philosophie zu sein. Da ich weiß, mit welcher Anschauung auch immer, dieses natürlich wieder entkräftet werden kann, oder Gegenargumente ins Feld der Eitelkeiten geführt werden können, bildet sich in mir eine Unverkrampftheit über die eigene Ansicht, und so wurde manche Mail an dich nicht abgeschickt. Ich habe genug Selbstkritik über fast jede Ansicht und meine, somit wahre Freiheit zu finden. Ich führe mich also nicht am Nasenring der eigenen Erkenntnis.
Zu deinem Text: Du sprichst von entwurzelten und fremdbestimmten Menschen. Kurz: Roboter. Menschen, bei denen sich das Leben in der Hirnrinde abspielt. Möglicherweise hast du sogar noch eine wissentschaftliche Erklärung. Interessant wird es erst, wenn der Rubel rollt, und du dir dein jetziges Ideal als Mittler zwischen Geist und Welt erhalten kannst. Wie es in den Wald schallt, so schallts hinaus! Bei Geld scheiden sich jedoch die Geister. Hier scheint nur die Abwertung von Menschen zu helfen, "die es haben" und es dir nicht geben wollen. Entweder sind sie Kapitalisten, seelenlose Arbeiter, Hirnrindengeschöpfe, Roboter u.s.w. Dafür muß man kein Philosoph oder Magier sein, um zu ähnlichen Ergebnissen zu kommen. In den Niederungen der menschlichen Existenz schlägt man sich die Fresse ein, dann bekommt man die Knete fast immer. Nun ist die Frage, ob es letztendlich mein Problem ist, daß ich dies auf dich projiziere, oder sind es tatsächlich die Anderen, oder ist es doch DEIN Problem? Auf jeden Fall verraten die, die´s Geld haben, einen Teil ihres Lebens. Sie zahlen wahrscheinlich einen hohen Preis. Nur Du willst nicht den Preis für die Wahrheit zahlen, weil dir der Wert derselben abhanden gekommen ist? Sollen Menschen für ein paar Lehrsätze Geld bezahlen, damit sie sich für ein paar Stunden gut fühlen? Es wäre genauso, als ob einer deiner Samenkörner auf Ödland fällt (dein Urteil über die Menschen die Geld haben) und du ihnen dieses Samenkorn anpreist, als ob nach einmal gießen ihnen der schönste Regenwald wachsen würde. Derlei Ansichten entstehen nur aus einem Unverständnis, das mit der Wahrheit kein Handel zu treiben ist, und dem ständigen Verdrängen einer längst ausgesprochenen Wahrheit, daß man über eine Brücke gehen muß, um zum Licht zu kommen. Du aber willst alles haben. Wäre die Welt wie ein Supermarkt, bei dem man umsonst einkaufen gehen könnte, so wäre jeder, der hungert, töricht, weil er es ja nicht müßte.

Antwort:

> ich habe deine Homepage "Wiederverzauberung 3" gelesen und sollte einige Anmerkungen machen oder Kritik üben...

Lieber M., vielen Dank für die viele Mühe, die du dir gemacht hast!

> ... um endlich festen Boden unter den Füßen zu haben. Geht es um die Benennung von Werkzeugen, mit denen das Leben zu bearbeiten ist? Der Versuch, zu Grundsätzen zu finden, ist wie die Peitsche, die den Gaul (das Leben) animieren soll, schneller zu laufen.

Ich wollte herausfinden und niederschreiben, ob ich denn in den letzten Monaten weitergekommen bin. Was ist WESENTLICHES in meinem Geist geschehen? Habe ich mich WIRKLICH verändert? Das wollte ich wissen. Ganz richtig hast du erkannt, daß ich mit diesem Artikel meinem Leben sowas wie eine feste Grundlage geben will, eine Stütze für weiteres Suchen auf geistigem Gebiet. Und Geist bedeutet bei mir immer auch Leben. Obiges "Wesentliche" soll also nicht nur meine Philosophie weiterbringen, sondern mein Leben.

> Grundsätze sollen das Leben steuernd in die Pflicht nehmen. Der suchende Geist tut dies in seinem reinen Selbstverständnis. Es könnte mehr darin zu sehen sein, über Philosophie zu den Werten zu finden und um dann aber auch zu leben. Philosphie ist das Mittel; der Zweck sei das Leben. Was ist, wenn Philosphie zum Mittel UND zum Zweck wird?

Na ja, wenn die Philosophie richtig betrieben wird, ist ein Unterschied zum Leben im Idealfall nicht vorhanden. Dann ist Phil. auch Selbstzweck, aber das Leben ist nicht ausgeschlossen, sondern bereichert.

> Das reine Leben hat eine unglaubliche Dynamik, wobei die Philosphie, auch wenn sie notwendig ist, um dieses zu erkennen, nur ein müder Abklatsch sein kann. Man könnte sagen, daß die Philosophie von sich behauptet, das Leben ständig neu erfinden zu müssen.
Die Philosphie erfüllt NUR ihren Selbstzweck. Die Philosphie entdeckt in ihrem eigenen Erkennen den Zweck. Das scheint der blinde Fleck der Philosophie zu sein.

Das ist sicher oft und bei Vielen (besonders an der Uni) der Fall, aber ich hoffe, nicht bei mir. Ich fühle mich vom Leben nicht ausgeschlossen, obwohl ich ledig bin.

> Da ich weiß, mit welcher Anschauung auch immer, dieses natürlich wieder entkräftet werden kann, oder Gegenargumente ins Feld der Eitelkeiten geführt werden können, bildet sich in mir eine Unverkrampftheit über die eigene Ansicht, und so wurde manche Mail an dich nicht abgeschickt. Ich habe genug Selbstkritik über fast jede Ansicht und meine, somit wahre Freiheit zu finden. Ich führe mich also nicht am Nasenring der eigenen Erkenntnis.

Ich bin auch nicht so streng zu mir, weil ich weiß, daß das Leben MEHR ist, als phil. Systeme. Also muß ich Sachen zu tun bereit sein, die philosophisch unbedacht sind: sponanes Leben halt. Gedankenmachen kann ich mir dann nachher, wenns Spaß macht.

> Zu deinem Text: Du sprichst von entwurzelten und fremdbestimmten Menschen. Kurz: Roboter. Menschen, bei denen sich das Leben in der Hirnrinde abspielt. Möglicherweise hast du sogar noch eine wissentschaftliche Erklärung. Interessant wird es erst, wenn der Rubel rollt, und du dir dein jetziges Ideal als Mittler zwischen Geist und Welt erhalten kannst. Wie es in den Wald schallt, so schallts hinaus! Bei Geld scheiden sich jedoch die Geister. Hier scheint nur die Abwertung von Menschen zu helfen, "die es haben" und es dir nicht geben wollen. Entweder sind sie Kapitalisten, seelenlose Arbeiter, Hirnrindengeschöpfe, Roboter u.s.w. Dafür muß man kein Philosoph oder Magier sein, um zu ähnlichen Ergebnissen zu kommen. In den Niederungen der menschlichen Existenz schlägt man sich die Fresse ein, dann bekommt man die Knete fast immer. Nun ist die Frage, ob es letztendlich mein Problem ist, daß ich dies auf dich projiziere, oder sind es tatsächlich die Anderen, oder ist es doch DEIN Problem? Auf jeden Fall verraten die, die´s Geld haben, einen Teil ihres Lebens. Sie zahlen wahrscheinlich einen hohen Preis.

Okay!

> Nur Du willst nicht den Preis für die Wahrheit zahlen, weil dir der Wert derselben abhanden gekommen ist? Sollen Menschen für ein paar Lehrsätze Geld bezahlen, damit sie sich für ein paar Stunden gut fühlen?

Seit ich die materialistische, kapitalistische Welt nicht mehr ablehne, fällt es mir leichter, in gewisser Weise mitzumischen. Ich verkaufe, was ich zu bieten haben: mein Know how auf einem bestimmten Gebiet. Du verkaufst dein Berufs-Know-how, ich mein (wenn auch spirituelles) Berufs-Know how. Da ist kein Unterschied oder? Wieso sollte mir der Wert der Wahrheit abhanden gekommen sein? Ich weiß, daß nur 3 Dinge im Leben wirklich wichtig sind: Freundschaft, Liebe, Wahrheit. Und das ist Philosophie: LIEBE zur ERKENNTNIS (der Wahrheit des Lebens/Liebens).

> Es wäre genauso, als ob einer deiner Samenkörner auf Ödland fällt (dein Urteil über die Menschen die Geld haben) und du ihnen dieses Samenkorn anpreist, als ob nach einmal gießen ihnen der schönste Regenwald wachsen würde. Derlei Ansichten entstehen nur aus einem Unverständnis, das mit der Wahrheit kein Handel zu treiben ist, und dem ständigen Verdrängen einer längst ausgesprochenen Wahrheit, daß man über eine Brücke gehen muß, um zum Licht zu kommen. Du aber willst alles haben. Wäre die Welt wie ein Supermarkt, bei dem man umsonst einkaufen gehen könnte, so wäre jeder, der hungert, töricht, weil er es ja nicht müsste.

Ich sehe mich in der Situation, daß die Menschheit in einem Kindersandkasten gefangen ist und sich um die Sandkuchen streitet. Ich lebe außerhalb des Kastens in der unendlichen freien Natur, aber ich bin auch im Sandkasten. Und weil ich dort bin, brauche ich auch Sandkuchen. Leider bin ich nicht so erfolgreich beim Balgen darum, weil ich zu selten hier zu Besuch bin. Soll ich deshalb verhungern? Also sage ich: Ich kann einige von euch in die Freiheit führen, aber gebt mir dafür von eurem Sandkuchen. Das ist alles. Warum soll ich mit der Wahrheit keinen Handel treiben??? Ein Programmierer oder Physiker, dessen Arbeit letztlich darin besteht, andere Menschen überflüssig zu machen, darf für sein Tun gewissenlos Geld nehmen, und ich, der diesen Überflüssigen (und zukünftig überflüssigen Physikern und Programmierern) dabei helfe, NICHT überflüssig zu sein oder zu werden, soll verhungern - oder, wie du forderst, endlich arbeiten gehen? Ist denn das, was ich tue, keine Arbeit? Was meinst du, wieviele hundert Stunden ich allein an dieser Homepage gearbeitet habe? wieviele JAHRE es mich gekostet hat, meine Philosophie - mich - zu bilden? Würden wir in einer Welt des Schenkens leben und würde ich alles nötige geschenkt bekommen, wäre auch ich gern bereit, mein Wissen und all meine Arbeit zu verschenken. Aber in der käuflichen Welt wird nur die Sprache der Geldes verstanden. Man achtet mich ausschließlich meines materiellen Wohlstandes wegen. Würde ich in der Gosse liegen, hätte ich nicht einen einzigen Zuhörer.

Außerdem gebe ich zu bedenken, daß alle Menschen mit Internetanschluß meine HP kostenlos lesen können. Vergessen? Ich laß mich ja ausschließlich für die Tilgung ihrer blinden Flecken bezahlen, also für meine Arbeit, daß ich den Schülern erkläre, was sie allein niemals begreifen können: die Magie. Auf diesem Gebiet bin ich konkurrenzlos.

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