Bienen und Imkerei 5


12.9.2007: Ein paar Bilder

Mein Bienenstand im August 2007:


Nach längerer Trachtpause kam zur großen Überraschung der Raps zu einer zweiten Blüte, und die Bienen sammeln wieder eifrig Nektar und Pollen. Hoffentlich nicht zum Nachteil der Winterbienen.

22.9.2007: Bienenwinter

Die Bienen bekamen gestern zum letzen mal Zuckerwasser. Damit hat jedes Volk etwa 16 kg Futter erhalten. Hoffentlich genug für den Winter. Obwohl meine Völker noch immer mit Varroamilben* belastet sind, entnahm ich die Api Life Var - Streifen. Endgültig. Denn ich habe nicht vor, noch einmal etwas gegen Milben zu unternehmen außer der Oxalsäurebehandlng um Weihnachten. Ich hoffe, dass meine sechs Völker so den Winter überleben. Im nächsten Jahr wird die Völkervermehrng im Vordergrund stehen. Um einer erwarteten hohen Völkersterberate zu begegnen, plane ich, die Völkerzahl auf 12 zu erhöhen. Dann werden hoffentlich genügend Völker auch ohne Varroabehandlung den nächsten Winter überstehen.

Sobald die Bienen nächstes Frühjahr ihre Sammelflüge beginnen, werde ich bei allen Völkern Zargen mit Mittelwänden von nur noch 4,9 mm großen Zellen (bisher 5,4) und Rähmchen mit 32 mm Wabenabstand (bisher 35 mm) unter die Brutzargen stellen. Die neuen Mittelwände werden dann zu neuen Brutwaben ausgebaut, sodass sich aufgrund des großen Raumangebots die oberen Brutzargen leeren, die ich dann entnehme und einschmelze. Auf diese Weise findet innerhalb weniger Wochen der Wechsel auf die neue Zellengröße statt. Dabei werde ich genau beobachten, welche Völker mit der neuen Zellengröße zurechtkommen und welche nicht. Jene, die es gut können, werden dann vermehrt; bei den anderen breche ich die Weiselzellen aus und weisele um, sobald ich Königinnen habe, deren Mütter gezeigt haben, dass ihre Arbeiterinnen kleine Zellen bauen können. Ich denke, ich werde mir zudem mindestens eine Elgon-Königin dazukaufen. Durch Kreuzung der Elgonbienen mir den Carnicas erhöht sich die Fähigkeit zum Ausbau kleiner Zellen bei allen Bienen.

Um die Varroen wenigesten etwas zu dezimieren, werde ich wahrscheinlich zwei Leerrähmchen lnks und rechts neben die Brutwaben hängen und Drohnenbrut schneiden. Die Varroen suchen bekanntlich am liebsten offene Drohnenbrutzellen auf, in denen sie sich vermehren, sobald die Zellen verdeckelt sind. Ist die Drohnenbrut verdeckelt, wird die gesamte Wabe mitsamt der Milben herausgeschnitten und in den Wachsschmelzer gegeben. Ist meine neue Wirtschaftsweise erst einmal etabliert, werde ich auch auf das Drohnenwabenschneiden verzichen. Grund: Die Bienen fühlen sich wohler, wenn genügend Drohnen da sind. Sie brauchen auch weniger Drohnenwaben auszubauen, wenn diese ihnen nicht immer wieder gestohlen werden. Das spart Stress, Energie und Vorräte und bringt zudem mehr Honig, wahrscheinlich auch mehr Arbeiterinnenbrut.

Zur neuen Wirtschaftsweise wird auch der Verzicht auf Absperrgitter zwischen Brut- und Honigraum gehören. Das Gitter ist den Bienen ein sehr unangenehmes Hindernis, mit dem der Imker erreichen will, dass die Königin im Honigraum keine Eier legt. Das wird sie allerdings sowieso nicht tun, wenn der Brutraum groß genug ist. Außerdem bin ich kein Berufsimker, sondern Bienenfreund. Das heißt: bei mir steht der Bien im Vordergrund. Wenn sich auf einer Honigwabe Brut befindet, ist es halt eine Brutwabe, und der darauf befindliche Honig wird nicht geerntet. Ich gebe im Falle, dass Brut im Honigraum ist, eine Honigzarge obendrauf, hänge die reinen Honigwaben rein und die Brutwaben bleiben in der ehemaligen Honigzarge.

Da ich auch die Fütterung mit Zuckerwasser* nicht für gut halte, möchte ich den Bienen ab nächsten Winter viel mehr Honig lassen. Das beste wäre wohl, nach Früh- und Spättracht gar nicht zu schleudern, sondern erst im darauffolgenden Jahr zu BEGINN der Frühtracht. In diesem Fall würde ich wirklich nur den Honigüberschuss für mich ernten. Um trotzdem auf ausreichende Honigmengen zu kommen, muss ich dann eben mehr Völker als andere Imker pflegen.

(Anm.: 2.10: Frühtracht ist meistens Raps, und dieser kandiertrelativ schnell, sodass er nicht zu spät geschleudert werden sollte)

Da das Schwärmen der Bienen die beste Varroabekämpfung ist - die meisten Experten glauben, dass die verwilderten Bienen nur aus dem Grund, dass sie häufig schwärmen, mit der Varrosse zurechtkommen - werde ich dieses Schwärmen entweder zulassen oder Kunstschwärme bilden. Kunstschwarmbildung ist ein Verfahren, dass das natürliche Schwärmen nachmacht, ohne das Problem zu haben, einen entflogenen Schwarm suchen und mit gefährlichen Bergungsaktionen von Bäumen "ernten" zu müssen. Ich werde meine Bienen also vermehren, indem ich einem starken Volk, das schlupfreife Weiselzellen aufweist, die Königin entnehme, sie in eine leere Beute mit neuen Mittelwänden setze und dann etwa die Hälfte der Bienen von den Waben in die neue Beute kehre. Dort kann die Königin mit der Hälfte ihrer Arbeiterinnen einen neuen Staat gründen, fast unbelastet von Varroamilben. Damit die Bienen nicht sofort zur alten Beute zurückfliegen, wird das Flugloch ein paar Tage geschlossen gehalten.

Auf diese Weise werde ich von jedem starken Volk einen oder zwei Ableger machen, was bedeutet, dass ich im kommenden Winter noch eine Menge neuer Beuten bauen muss. Damit die Arbeit besser erledigt werden kann, habe ich mir in den vergangenen Wochen ein hübsches Gartenhaus (Grundfläche 2,40 x 2,05 m) gebaut. In ihm stehen die Honigschleuder, Werkzeuge wie Bohrmaschine, Stichsäge, Akkuschrauber, Band- und Schwingschleifer, Schrauben und natürlich das Holz für die Beuten bereit. Bald werden sich auch leere Zargen mit frisch zusammengebauten Rähmchen dort stapeln.

* Schnitt der letzen Zählungen: Volk 1: Abfall von 10 Milben täglich; Volk 2: 15; Volk 3: 50; Volk 4: 2; Volk 5: 9; Volk 6: 34

** Ich verfütterte pro Volk 16 kg Zuckerwasser und Invertzuckerwasser. Gesamtkosten für 5 Eimer Apiinvert und 15 kg Zucker fast 100 Euro, die ich mir sparen kann. Außerdem spare ich die teuren Medikamente und kaufe mir für das Geld lieber Holz für zusätzliche Bienenbeuten.

2.10.2007: Varroa und Milchsäure

Meine fast tägliche Varroazählung brachte folgendes Ergebnis:

Volk 1: 08 Varroen fielen im Durchschnitt täglich auf die Bodeneinlage. Wenn man diese Zahl mit 120 (glaube ich) multipliziert, erhält man die tatsächliche Milbenzahl des Volkes. Da bei meinen Beuten die Bodeneinlagen kleiner sind, als die Grundflächen der Beuten, ist der Multiplikationsfaktor sicher größer, sagen wir mal 150. Demnach befanden sich im 1. Volk 1200 Milben.

Volk 1: 08 1200 Platz 5
Volk 2: 14 2100 Platz 3
Volk 3: 64 9600 Platz 1
Volk 4: 03 0450 Platz 6
Volk 5: 11 1650 Platz 4
Volk 6: 41 6150 Platz 2

Als ich im 3. Volk 100 Milben zählte und ich in einer Zeitschrift las, dass derart belastete Völker den Winter nicht überleben würden, entschloss ich mich dann doch zu einer Varroabehandlung, allerdings nicht mehr mit ApiLifeVar, das sich nicht bewährt hatte. Diesmal wollte ich Milchsäure ausprobieren, das sanfteste Mittel nach Thymol und vor Oxalsäure und Ameisensäure, dem stärksten Geschütz im Kampf gegen die Milbe.

Am Vormittag des 30.9., es war mildes Wetter, besprühte ich sämtliche Waben (außer jene von Volk 4) frontal mit 15 %iger Milchsäure. Für 5 Völker brauchte ich etwa 0,8 Liter. In Volk 6 hatte ich offensichtlich überdosiert, denn in den folgenden Stunden verließen etwa 200 durchnässte Bienen das Flugloch, um außerhalb der Beute zu sterben. Bei der Milchsäurebehandlung sollen die Bienen benetzt werden, aber nicht so, dass sie schwarz (durchnässt) aussehen. Dem 5. Volk nahm ich zudem die kaum genutzte obere Zarge weg; die paar hundert Bienen kehrte ich in die unterste Zarge. In der entnommenen Zarge befanden sich ausschließlich unausgebaute Mittelwände. Es war also ein Fehler, diesem Volk am 1.7. eine 2 Zarge aufzusetzen.

Ergebnis der Milchsäurebehandlung:

Volk Nr. 30.9. / 1.10. / 2.10. / Summe / Bruchteil

Volk 1: / 043 / 0148 / 038 / 229 / 1/5
Volk 2: / 041 / 0074 / 017 / 132 / 1/16
Volk 3: / 500 / 1000 / 500 / 2000 / 1/5
(Volk 4: / 004 / 0003 / 003 / 10 /
Volk 5: / 136 / 0236 / 144 / 516 / 1/3
Volk 6: / 235 / 1000 / 124 / 1359 / 1/5

Die Zahlen 500 und 1000 sind geschätzt. Wahrscheinlich wurde bisher nur ein Bruchteil ( 1/3 bis 1/16) der Gesamtpopulation an Milben getötet.

Das Quaken einer schlupfbereiten Königin: http://www.nature-rings.de/tiere/Honigbiene/page1.html

Bienenwebcam: http://www.tierwebcams.de/show_cam/180 Interessante Beobachtungen werden hier veröffentlicht.

13.10.2007: Volkszusammenbruch?

Am 9.10. fielen vom 3. Volk immer noch über 50 Milben täglich ab. Vom 6. Volk zehn. Bei den anderen Völkern bewegte sich der Abfall zwischen null und drei. Ich entschloss mich, beim 3. Volk die Milchsäurebehandlung zu wiederholen. Es gab in den darauf folgenden Tagen allerdings keine signifikante Erhöhung der Abfallquote.

Am 10.10 machte ich dann eine erschreckende Beobachtung. Das 3. Volk wurde ausgeräubert! Was ich vorher als normalen Sammelflug interpretiert hatte, stellte sich als wüste Räuberei des 1. Volkes beim 3. heraus! Da mir bei der Milchsäurebehandlung schon aufgefallen war, dass das 3. Volk viel weniger Futtervorräte aufweist, als es eigentlich müsste, entschied ich mich, alle Löcher dicht zu machen und das Volk wiederholt zu füttern. Ich gab ihm Zuckerwasser und 1 Kilo Futterteig (500 g Honig + 500 g Puderzucker). Heute sind die Bienen des 3. Volkes bereits den 3. Tag eingesperrt, und draußen drängeln sich die Bienen des 1. Volkes vor dem verschlossenen Flugloch und versuchen aufgeregt in die Beute einzudringen.

Seit gestern vermag ich räubernde Bienen von Bienen auf normalem Sammelflug zu unterscheiden. Ihr Verhalten ist aggressiver. Ich höre es am Ton ihrer Flügelbewegungen. Er hört sich rauer an, wie bei angreifenden Bienen.

Am 10.10. kontrollierte ich, ob die oberen Zargen der 2-Raum-Völker ausreichend von Bienen besetzt waren. Waren sie nicht. Beim 4. Volk war die Reduktion um eine Zarge am leichtesten. Ich konnte der untersten Zarge soviele leere Waben entnehmen, wie ich in der oberen Zarge an Honig- und Pollenwaben fand. Ich hängte die Waben einfach in die untere Zarge hinein. Beim räuberischen 1. Volk blieben drei volle Honigwaben übrig. Ich verteilte sie auf das 2. und 6. Volk, die, obwohl diese von vorneherein schon nur auf je einer Zarge saßen, noch leere Waben aufwiesen und nun wegen der Gabe von Honigwaben gut versorgt sind.

Die grüne Abdeckplane habe ich der erwarteten Winterstürme wegen abgenommen. Im Gegenzug habe ich die Beutendeckel mit Silikon besser abgedichtet.

Wie kam es zur Räuberei ausgerechnet bei meinem stärksten Volk, von dem ich 45 Gläser Honig abschleudern konnte? Ich vermute, der Auslöser war der undichte Deckel dieser Beute. Während der Tracht war es nicht weiter schlimm, dass sich ab und zu eine Biene durch die Ritzen zwischen Deckel und oberster Zarge hindurchquetschten, aber aufgurnd der Zugluft funktionierte möglicherweise die Varroabehandlung nicht richtig; die Thymoldünste zogen möglicherweise durch díe Ritze ab. Die Folge war der erhöhte Varroabefall, und dieser schwächte das Volk derart, dass es Opfer des 1. Volkes, das inzwischen zum stärksten geworden ist, wurde. Räubernde bienen drangen durch diese Ritze und das Flugloch ein. Es gab Kämpfe, die das 3. Volk schließlich verlor, da es nicht an allen Löchern gleichzeitig aufpassen konnte. Außerdem hatte ich die Fluglöcher zu spät verengt. Nächstes Jahr muss ich daran denken, in der Zeit des Einfütterns die Fluglöcher auf 2-3 cm zu verengen.

Augenblicklich schätze ich das 1. und das 4. Volk als stark ein. Beide füllen ihre Zarge sehr gut mit Bienen und Futtervorräten. Auch tragen sie die meisten Pollen ein, was auf gut entwickelte Brutflächen schließen lässt. Die Völker 5 und 6 sind etwa gleichstark (7 besetzte Waben), wobei das 6. allerdings einen recht hohen Varroabefall aufweist. Das 2. Volk ist von der Bienenzahl etwas schwächer (5 Waben), hat jedoch erstaunlich viel Futter! Dass es räubert, konnte ich nicht beobachten; die Bienen sammeln fleißig - wie die anderen Völker außer dem 3. Pollen. Das 3. Volk ist af etwa 6 volle Waben geschrumpft und ich konnte kaum Brut entdecken. Das Chaos wegen der Räuberei hat die Königin wohl aus der Stimmung gebracht. Ich hoffe, dass die Quarantäne nun wieder Ruhe ins Volk bringt.

15.10.2007: Völkervereinigung

Gestern war es mir leid, der Räuberei zuzuschauen oder das 3. Volk einzusperren, und gemäß eines Rates aus einer Imkerzeitschrift, "lieber 2 schwache Völker zu vereinigen und im nächsten Jahr zu vermehren, als 2 schwache Völker im Winter zu verlieren" vereinigte ich das 2. und dritte Volk. Ich entnahm dem 3. Volk die Königin, die ich mit ein paar Begleitbienen in eine Pappschachtel setzte, und stülpte die Zarge auf die des 2. Volkes, nachdem ich auf die Zarge des 2. Volkes eine Zeitung mit kleinen Löchern gelegt hatte. Die Bienen fressen sich dann durch die Zeitung und das 3. Volk gewinnt so die Zeit, den Pheromonduft der neuen Weisel anzunehmen. Die Milbenzahlen sind seit der Milchsäurebehandlung auf Null bis 3 täglich gesunken. Ich hoffe, die Bienen nun endlich bis zur Oxalsäurebehandlung im Dezember nicht mehr stören zu müssen.

An alle Imker der Umgebung: Wer braucht eine zweijährige Königin?

19.10.07: Imkerforum

Im Imkerforum lief eine interessante Diskussion darüber, ob oder wie man ein stabiles Verhältnis zwischen Bienen und Milben erreichen könne. Der Idee liegt die (meine!) Auffassung zugrunde, dass man dieses Verhältnis nicht als das eines Schmarotzers zu einem Wirt, sondern als eine Symbiose mit gegenseitigem Nutzen beider, Milb und Bien, auffassen könne. Im Milb-Mellifera-Verhältnis ist die Symbiose vielleicht noch nicht erreicht, da die befallenen Bienenvölker an der Varroamilbe meist zugrundegehen, aber bei der Apis Cerana, der Östlichen Biene, die schon seit Jahrtausenden mit der Milbe zusammenlebt, sieht die Sache sehr viel besser aus. Hier existiert m.E. die Symbiose bereits weitgehend, denn die Biene hat als Reaktion auf den Milbenbefall ihren Brutzyklus von 21 auf 16 Tage verkürzt und baut kleinere Waben-Zellgrößen (4,6 - 4,9 mm) als unsere Mellifera (5,4 mm). Da man heute keine Cerana-Biene aus Zeiten vor der Varroose hat, beruht die Behauptung der Brutzeitverkürzung zum guten Teil auf Spekulation, aber es gibt Imker, die genau aus diesem Grund der Mellifera helfen wollen, ein stabiles - also nicht tödliches - Verhältnis zur Milbe aufzubauen, indem sie versuchen, den Brutzyklus der Mellifera ebenfalls zu verkürzen, indem die Stocktemperatur erhöht wird. Dies wird duch kleine Zellen (4,9 statt 5,4 mm) und kleineren Wabenabstand (32 statt 35 mm) und mehr Bienen erreicht. Die Bienen sitzen enger und erzeugen eine höhere Temperatur. Ich habe eine Quelle ausfindig gemacht, in welcher ein Imker diese Brutzyklusverkürzung tatsächlich festgestellt hat. Quelle: siehe unten.

Ich brachte die Idee ins Spiel, dass die Situation der Mellifera gar nicht so hoffnungslos sei, denn es gebe ja bereits Imker, die ihre Mellifera-Bienen (zu denen auch unsere heimischen Bienen gehören) nicht mehr behandeln. Deren Betriebsweise erzeuge quasi jetzt schon das ersehnte stabile Milb-Bien-Verhältnis. Es könne uns demnach eigentlich nur noch darum gehen, diese besondere Betriebsweise zu kopieren. Im Forum ist ein gewisser 'Manne' Mitglied, der bereits seit 1997 seine Bienen nicht mehr behandelt.

Ich muss in ein Bienen- oder gar Wespennest getreten sein, jedenfalls wurde ich von fast allen Seiten her angegriffen, als hätte ich Gott gelästert. Ich habe nicht das Recht, über Bienenhaltung, Betriebsweisen und dergleichen zu schreiben (= spekulieren), da ich ja keine Ahnung von der Praxis des Imkers habe. Sie taten, als dürfe ein Anfänger wie ich eigentlich gar keine Betriebsweise, keine Methode der Bienenhaltung, haben, da sie ohnehin nichts als Tierquäler sein können. Fragt sich nur, wie ein Neuling überhaupt mit der Imkerei beginnen soll. Im Übrigen würden die sog. Nichtbehandler nicht nichtbehandeln, sondern bloß anders behandeln. Mir wurde vorgeworfen, ich habe die Diskussion um ein wichtiges Thema mit meiner arrogant vorgetragenen Dummheit zerschossen und solle mich künfig nur noch aufs Lesen ihrer intelligenten Beiträge beschränken.

In meinem letzten Beitrag zum Thema im Imkerforum schrieb ich dann:

Zusammenstellung der Ergebnisse des Threads seit dem Punkt meines Zerschießens (Angeführt sind die Beitragsnummern):

74: Brutzyklusverkürzung via kleinerer Zellen und geringerer Wabenabstände, in der Erwartung, dass kleinere Bienen mit kürzerem Brutzxklus eine stabile Beziehung zur Milbe aufbauen können.
- Vom Schmarotzer zur Symbiose
75+76: Ablehnung dieser Idee durch Guenther47 und Henry
79: Unterschied Cerana (stabiles Verh.) und Mellifera (kein stab. Verh.). Was tun erfolgreiche Nichtbehandler? Haben sie Ziel erreicht?
81: Diskussion: Nichtbehandler als Vorbilder in Sachen Stabilisierung des Bien-Milbenverhältnisses - oder nicht.
90: Links zu anderen Nichtbehandlern
95: Man kann es mit jeder Biene schaffen, braucht keine Primorski oder Elgon. Kunstschwarm statt Ableger.

In den übrigen Texten und Textteilen geht es darum, dass Anfänger sich aus jeder Diskussion herauszuhalten haben, weil sie sich lächerlich machen. Dumme Fragen sind verboten, und wer erst seit ein paar Monaten Bienen hat, kann nichts anderes, als dumm fragen. Also soll er gefälligst seinen Schnabel halten, still mitlesen und dann, eines Tages, obwohl er sich noch nie zu Wort gemeldet hat, darf er im Imkerforum als neuinkarnierter Superexperte wie ein Pheonix aus der Asche aus dem Stand von Null auf 300 niveauvoll auf hohem Kenntnisstand mitdiskutieren. Das Ziel ist der Weg; der Weg zum Ziel macht uns lächerlich und sollte gefälligst unterbleiben. Anfänger sind einfach nur anstrengend.

So, das war mein letzter Beitrag zum Fred. Gott sei Dank.

Joachim

Ich bin ja noch lange nicht sicher, ob Brutzyklusbeschleunigung wirklich ein Mittel gegen Varroose ist, aber ich wills nächstes Jahr ausprobieren. Ich glaube inzwischen sogar jener erfahren Imkerin im Forum, die mir versicherte, man bräuchte keine andere Biene wie meine Primorski oder die avisierte Elgon; die ganz normale Landbiene würde es auch tun, wenn man sie ihren natürlichen Ansprüchen gemäß behandeln, bzw. nicht behandeln, würde. Auch dies will ich nächstes Jahr ausprobieren.

Das heißt (für mich): Kein Absperrgitter, keine Abdeckfolie, keine Ableger sondern Schwarmvorwegnahme und Kunstschwärme, Standbegattung, und Beherzigung der Regel, dass jedes Volk, das den Winter überlebt, sich vermehren darf. Hinzu kommt das sparsame Füttern mit Zuckerwasser. Dies wird erreicht, indem man ohne Absperrgitter imkert. Dann gibt es auf vielen Honigwaben Brut. Sie bleiben bei den Bienen und dienen als Wintervorrat. Ich mach das alles nächstes Jahr, obwohl ich keine Ahnung habe und schreibe darüber, obwohl ich mich damit lächerlich mache.

http://www.small-cells.info/kober1.htm // http://www.die-oberpfalzwabe.de/grundklbienen.htm und hier der Link:

1. Versuch zur Ermittlung der Entwicklungsdauer (Brutdauer) in kleinen Zellen: O lesen: http://www.guterhonig.de/Framesetstudien.htm mit dem Ergebnis: 18 Tage!

In der Hausordnung des Imkerforums lesen wir: "Im Forum dürfen keine Nachrichten geschrieben werden, die obszön, vulgär, sexuell orientiert, abscheulich oder bedrohlich sind oder sonst gegen ein Gesetz verstoßen würden. Diskussionen über politische und religiöse Themen, Gentechnik und Vorstandsarbeit der Imkerverbände können wir leider nicht mehr zulassen.

Eine Beleidigung und Diffamierung anderer Benutzer wird nicht geduldet!

Wir bitten darum, die allgemein gültige Form der deutschen Sprache in bezug auf Grammatik und Rechtschreibung nach bestem Vermögen einzuhalten (z.B. auch Groß- und Kleinschreibung).

Mein Kommentar: Dass in einem Imkerforum nicht über Politik und Gentechnik geschrieben werden darf, erachte ich als vorauseilenden Gehorsam der Verantwortlichen gegenüber den Interessen der Genindustrie - Schlagwort Monsanto (siehe meine Tagebücher) - , die unkommentiert und ungehindert dem Bien den Garaus machen will. Es sei denn, Monsanto gelingt die Genmanipulation der Honigbiene. Dann kann die Firma von jedem Imker Lizenzgebühren kassieren. Die Biene gehört dann nämlich nicht mehr sich selbst, sondern Monsanto. Wann kommt die Monsantobiene?

Ums noch einmal klarzustellen: Ich unterstelle keinem Monsantomitarbeiter oder Genforscher persönliche kriminelle Energie. Es sind die Strukturen, in denen er lebt, denkt, handelt, die kriminell sind. Diese Strukuren sind ihm höchstwahrscheinlich völlig unbewusst. Er kann nicht begreifen, dass alles, was er gelernt hat, schon naturzerstörend ist. Es ist der Materialismus, der nicht hinterfragt werden kann, und der letzlich alles Lebendige zerstört. Freilich tun die Herren der Welt alles, dass das so bleibt. Der nichthinterfragte Materialismus ist der sicherste Garant der Aufrechterhaltung der Sklaverei. Er zwingt die von diesem Ungeist Besessenen zur Formel: "Passe dich an die äußeren Gegebenheiten, wie wir sie dir erklärt haben, an!"

Derzeit erlebe ich diesen Ungeist in der großen ZEIT-Serie über die Suche nach dem Kern des Ich, das große Metzinger-Interview und der Artikel "Der Geist bleibt unfassbar". Selbst die Kritik ist materialistisch. Sie ist also nur scheinbar Kritik. Echte Kritik ist verboten, tabu. Sie rührt an verbotenes Herrschaftswissen.

In einem späteren Posting schrieb ich dann:

Hallo S.,

es freut mich, dass wir nun endlich wieder über die Sache diskutieren können. Es war natürlich richtig, dass du dich aus diesem unseligen Streit herausgehalten hast. Dein Verhalten ist vorbildlich im imkerlichen, aber auch auch im nichtimkerlichen Bereich, wie du nun bewiesen hast.

Ich habe nicht das geringste Problem mit dem Gedanken, dass dass die Bien-Milb-Beziehung keine symbiotische ist. Diese zugegebenermaßen gewagte Hypothese gehörte zum sog. 'Brainstorming', das Bernhard Heuvel (glaube ich)angeregt hatte. Man stellt mal was in den Raum und schaut, was dabei herauskommt. So ähnlich hießen ,glaube ich, seine Worte. Es kam viel dabei heraus - jedenfalls für mich: Ich habe meine Pappenheimer nun ein wenig kennengelernt.

Nun zum Thema: Ich kannte mal einen Kriminellen, der bewegte sich ständig im kriminellen Milieu. Er war 5 x im Knast; und in der Kurzen Zeit, in der ich das 'Vergnügen' hatte, mit ihm Kontakt zu haben zu, wurden ihm, dem 25jährigen, die letzten Zähne ausgeschlagen. Er war durch seine fast täglichen Schlägereien derart unempfindlich geworden, dass er wochenlang mit einem herausragenden Nagel im Stiefel herumlief, der ihm in den Fuß stach und eine Entzündung hervorrief. Er fluchte zwar ab und zu über den Nagel, aber er tat nichts dagegen.
Mir wurde damals klar, dass er in einer völlig anderen Welt lebte, als ich. Ich musste fast dankbar sein für diese Überschneidung zweier derart weit auseinanderliegender Welten, denn nie lernte ich in kurzer Zeit so viel über verschiedene Lebenswelten. Mein Leben lief in ruhigen Bahnen, seines war eine Kette von Horrortrips.
Mir wurde klar, dass jede Außenwelt eine seelische Innenwelt wiederspiegelt. So wie seine Welt von außen aussah - rohe Gewalt, Dumpfheit - so sah es auch in ihm aus. Bei mir war es entsprechend anders. Ich eerkannte, dass die jeweilige Außenwelt immer ein Spiegel der Innenwelt ist. Das gilt für Menschen, aber auch für Bienen und deren Symbiose mit den Menschen. Das ist meine eigentliche These.

Wir geben den Bienen Wohnung; sie geben uns Honig. Leider ist das nicht alles.

Du schreibst, seit 150 Jahren werde getrickst usw. Die Natur der Biene wird zerstört. Und genau das symbolisiert m.E. die Milbe. Die Biene wird zerstört duch Verschandelung der Landschaft, durch Verarmung der Natur, durch ausbeutung, durch Rücksichtslosigkeit. Wir behandeln die Biene wie wir unsere Mitmenschen behandeln. Wir machen sie fertig! Und weil das ein alles ein Spiegel unserer Seele ist, machen damit auch uns selbst fertig.

Unter Symbiose verstand ich den Begriff im WEITEREN SINN, nämlich im Sinn des Verständnisses der Tatsache, dass alles mit allem untrennbar verbunden ist. Wie wir in den Wald hineinrufen, schallt es aus ihm heraus.

Bush förderte den Terrorismus, indem er ihn bekämpfte. Wir fördern den Untergang der Biene, indem wir die Milbe bekämpfen. Je mehr wir bekämpfen, desto mehr Feinde wird es geben.

Wenn wir eine gesunde Biene wollen, müssen wir etwas für die Biene tun, und nichts gegen die Milbe. Jetzt sollten wir nicht sofort überstürzt die Behandlung mit Säuren stoppen, aber wir sollten uns in den nächsten Jahren etwas überlegen, wie wir die Bedürfnisse der Bienen wieder besser befriedigen können. Dann wird sie auch von ganz allein mit den Milben fertigwerden.

Wir sind willensfrei. Wir können wählen, in welcher Subkultur wir leben wollen. WIR MÜSSEN ES NUR WAGEN. Erst wenn wir das Wagnis eingehen, lebt jeder SEIN Leben. Das nennt man ein freies Leben.

Mehr Philosophie ist in diesem Forum wohl nicht nötig; schließlich sind wir in einem Imkerforum und nicht in einem phil. Seminar. Es hilft uns nicht, die Milben als Terroristen der Bienen zu betrachten. Diesen Fehler dürfen nur unsere Politiker machen, wir haben sowas nicht nötig.

Herzlichst
joachim

24.10.2007: Expedition eines Bienenforschers : http://perso.fundp.ac.be/~jvandyck/homage/artcl/FAfrika88de.html
Biograhie Bruder Adams: http://www.apisjungels.lu/page23.html
mehr zur Bienenzucht: http://www.apisjungels.lu/page5.html

1.11.2007: Schönes Wetter

Seit 3 Tagen Sonnenschein! Gegen 11 Uhr erreicht die Temperatur 12 Grad und schon zeigt sich an den ersten Fluglöchern Leben! Interessant ist, dass jedes Volk seine eigene Zeit zum Ausfliegen hat. Das 2. Volk begann erst gegen 13 Uhr - dafür umso emsiger. Gegen 14 Uhr war überall Hochbetrieb; alle 5 Sekunden kam eine mit Pollen beladene Biene in den Stock zurück. Unglaublich, wieviel Pollen sie noch zusammenbekommen. Vermutlich aus den Gärten im Dorf, in denen noch die Herbstastern blühen oder vom 500 Meter entfernten Rapsfeld, in dem der Raps teilweise viel zu früh zur Blüte gekommen ist. (Der Raps der abgeernteten Felder (s. Bild oben) gibt nicht mehr viel her, aber durch eine Laune der Natur oder zu frühe Aussat des Bauern blüht bereits Raps der Herbstaussaat). Die Frühflieger vom 4. Volk zogen sich bereits um 15 Uhr wieder zurück. Um 17 Uhr war alles wieder ruhig. Die Wespen richten keinen Schaden mehr an; sie sind jahreszeitlich bedingt gestorben und die letzen Eindringlinge wurden von den Bienen umgebracht. Aber ein anderer Feind ist aufgetaucht. Meisen und andere Vögel haben die Bienen als Leckerbissen entdeckt. Sie setzen sich an die Fluglöcher und fangen jede Menge Bienen ab! Ich hoffe, dass die Bienen diese Verluste verkraften.

9.11.2007: Forum in WWW.nordbiene.de


Mein Eintrag zu "meine Betriebsweise".
Fangwabenmethode zur 'biologischen' Varroabekämpfung

Sobald das Volk im Frühjahr zwei Brutzargen füllt, legt man 1 Woche vor der Teilung des Volkes ein Absperrgitter zwischen die Brutzargen und hängt in beide Zargen je eine leere Drohnenwabe oder ein Leerrähmchen, damit sie zu Drohnenwaben ausgebaut werden.

Dann teilt man das Volk in einen Brutling und einen Flugling (=Kunstschwarm). Man stelle die Zargen beiseite und auf den alten Beutenboden (alter Standort des Volkes) eine leere Zarge mit ein paar Futterwaben, Leerwaben, Mittelwänden und der bestifteten Drohnenwabe in der Mitte auf. In diese Beute fege man alle Bienen der Zarge mit Königin. Die Königin kommt also mit in den Flugling. Die Brut verbleibt in der alten Zarge, die auf einen neuen Boden in der Nähe gesetzt wird.

Ist eine Honigzarge vorhanden, kommt sie auf den Flugling. Die unbestiftete Drohnenwabe wird dem Brutling entnommen und aufbewahrt. (Warum gibt man sie nicht gleich mit in den Flugling?)

Der Flugling bekommt also die bestiftete Drohnenbrutwabe (es müssen ein paar hundert Larven darin sein). Da die Drohenbrutwabe die einzige Wabe mit Brut ist, sammeln sich in ihr ca. 80 % aller Varroamilben.

Zwar beginnt die Kö schon nach wenigen Tagen wieder Eier zu legen, aber die Milben werden doch vorzüglich in die Drohnenwabe ziehen. (klären!) Nach 7 - 10 Tagen wird die Drohenbrutwabe entnommen und samt Milben entsorgt. Im Flugling werden (hoffentlich) die dem Brutling entnommene leere Drohnenwabe oder ein Leerrähmchen zu neuen Drohnenwaben mit Brut ausgebaut, die später dem Brutling gegeben werden.

Der Brutling bleibt weisellos. Man wartet, bis in ihm keine unverdeckelte Brut mehr vorhanden ist. Das sind 21 Tage nach der Volksteilung. Nachschaffungszellen gegebenenfalls ausbrechen (klären). Dann hängt man eine bestiftete Drohnenwabe aus dem ehemaligen Flugling hinein.

Da sie dort die einzige Wabe mit unverdeckelter Brut ist, sammeln sich nun die Milben des Brutlings in ihr. Ist die Wabe verdeckelt, wird auch sie entnommen und entsorgt.

Möchte man mit dieser Methode seine Völker gleichzeitig vermehren, lässt man sie getrennt. Dann muss man dem Brutling bloß noch eine neue Kö hinzugeben oder eine Weisel schlüpfen lassen. Will man keine Vermehrung, können beide Völker wieder vereinigt werden.

Diese Methode soll ein einigermaßen gesundes Überleben des Volkes bis zum Winter ermöglichen. In brutfreier Zeit im Dezember könnte dann noch eine Milchsäure- oder Oxalsäurebehandlung nötig sein. Ständige Varroakontrolle ist nötig.

So weit fürs Erste die vorläufige Schilderung des Verfahrens. Da noch nicht alle Fragen geklärt sind, muss ich mich erst weiter informieren und darüber nachdenken, um das Verfahren sauber und ausgereift darstellen zu können.

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